MOERS. Hans Werner Thurmann
schlägt sich seit 23 Jahren als frei
schaffender Maler durchs Leben. Der
gebürtige Moerser hat an der Kunst
akademie Düsseldorf bei Joseph Beuys studiert und sich danach in
Neukirchen-Vluyn niedergelassen.
Anlässlich seiner Ausstellung "Natur
als Farberlebnis", die am 22. Februar, 19 Uhr,
im Foyer des Eurotec-Centers eröffnet wird, sprach RP-Redakteurin
Irmgard Bernrieder mit dem Künstler
über das Peschkenhaus, Erfahrungen
auf dem Kunstmarkt und seine künstlerische Entwicklung.
Bedauern Sie die Schließung der
Städtischen Galerie Moers?
Ich weiß nicht, welche Wirkung das
Peschkenhaus auf die Künstler im
unmittelbaren Umfeld hatte. So weit
ich mich erinnere, hat allein Horst In
derbieten eine Einzelausstellung in
der Städtischen Galerie erlebt. Alle
anderen hiesigen Künstler waren nur
in Sammelausstellungen zu sehen.
Zweifellos brauchen wir in einer
Stadt wie Moers einen Ort für bildende Kunst. Möglicherweise auch als
Künstler-Treffpunkt. Aber wo sind in
Moers die Künstler, die sich engagieren und gemeinsam auftreten? Was
mich angeht, so habe ich eigentlich
immer allein gewerkelt. Im Gegensatz
zu den meisten Kollegen habe ich nie
einen sogenannten Brotberuf ausgeübt, sondern immer von meiner Malerei gelebt.
Haben Sie 'mal versucht, eine Ausstellung im Peschkenhaus zu bekommen?
Sicherlich. Als es auf mein Berufsjubiläum zuging, habe ich in der Städtischen Galerie angefragt. Da ich Moerser bin, dachte ich, in 20 Künstlerjahren hätte ich mir so eine Aus
stellung am Ort verdient. Ich erhielt
eine abschlägige Antwort, die darauf
abhob, dass ich mich nie an Sammelausstellungen im Peschkenhaus beteiligt hatte. Ehrlich gesagt, muteten die
Moers-Kunst-Schauen oft wie ein
Sammelsurium an. Ich hatte keine
Lust, meine Bilder neben offensichtlichen Dilettanten zu präsentieren.
Haben Sie sich für den Moerser
Kunstpreis beworben?
Nein, ich scheue mich vor Wettbewerben, und Preisverleihungen finde ich
unangenehm. Überdies kannte ich die
Zusammensetzung der Jury des Moerser Kunstpreises und habe mich
nicht beworben.
Wie machen Sie Ihre Bilder ohne
solche Ausstellungen bekannt?
Klinkenputzen um Museumsausstellungen ist das eine, Beziehungen sind
das andere. Mit Galeristen als Vermittlern zwischen mir und möglichen
Käufern habe ich bisher auch eher
negative Erfahrungen gesammelt.
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Als bildender Künstler müssen Sie sich heutzutage im Mediengeschäft
gut auskennen. Was tun Sie in die sem Feld?
Wie vermarkte ich meine Kunst? Das ist längst keine Frage des Standortes
mehr. Ob Provinz oder Großstadt, ausschlaggebend sind die Kontakte.
Weil ich nie mit einem schnelllebigen Trend mitgeschwommen bin, sondern
meine künstlerischen Fragestellungen konsequent und, wie ich glaube
redlich verfolgt habe, konnte ich die vor herrschende Gier nach Neuem nie
bedienen.
Künstler haben aber immer experimentiert und sind so auf Neuland vorgestoßen?
Wie sehen sie das?
Viele der aktuellen Experimente sind für mich belanglose Spielereien. Die
Form schiebt sich zu Ungunsten des Inhalts in den Vordergrund. Was gibt mir das?
Ich habe meinen roten Faden nie aufgegeben.
Die emotionale Wirkung, die Farben in der Natur auf mich haben, auf die Leinwand
zu übersetzen. Dabei neh me ich die Gegenständlichkeit immer mehr zurück.
Die Konturen werden weicher, die Farbtöne fließen stärker ineinander.
Landschaftsmalerei ist mit wenigen prominenten Ausnahmen wie Gerhard Richter,
heute verpönt. Trotzdem verfolgen Sie Ihr Anliegen immer weiter?
Ich kann nicht anders. Die Naturerfahrung ist Grundlage meiner Idee. Von Beuys
habe ich gelernt, mich ganz auf meine Sujets einzulassen. Sie führen mir
den Pinsel. Ich arbeite quasi unter einen inneren Drang. Die Natur bietet mir
ein unerschöpfliches Farbenreservoir, und die Motive suche ich nach Farbkontrasten
aus. Ich bin nur so etwas wie ein Empfänger. Mein Pinsel ist meinem Denken
voraus.
Halten Sie Ihre Malerei nicht für unzeitgemäß?
Keinesfalls. Sie steht gegen die Trends, aber ich halte meine Idee nach wie vor
für tragfähig. Gute Dinge brauchen Ihre Zeit. Wenn ich meine künstlerische
Entwicklung betrachte, so ist deutlich ein Prozess abzulesen. Ich bin dabei durchaus
selbstkritisch.
Zur Vernissage spielt Heinz Witte freie Improvisationen am Klavier. Welche
Bedeutung hat die Musik für Sie?
Ich kenne und schätze Heinz Witte schon viele Jahre. Wir regen uns gegenseitig
an. Seine Musik bietet den Besuchern einen zusätzlichen Schlüssel zu
meinen Arbeiten. |